Manaslu Circuit

Nach einer Woche im Tsum Valley kamen wir zurück auf den Pfad des Manaslu Circuit auf 1.600 Metern Höhe. Hier wurde es wieder voller und wir trafen auf viele andere Wanderer. Zunächst ging es jetzt wieder ein paar Tage durch ein tiefes Tal und in Schluchten bergauf. Mit jedem Höhenmeter stiegen die Preise für Essen und Getränke und das Angebot an frischen Zutaten sank. Alles was nicht geerntet werden kann, muss teilweise in Märschen von mehreren Tagen mit Eseln und Yaks hergebracht werden.

 

Der einzige Weg in die Dörfer ist der Pfad, den wir auch gehen. Dieser kann von keinem Fahrzeug bewältigt werden. Es werden auch Touren für Mountainbiker angeboten, wir haben einige getroffen, jedoch hatten wir das Gefühl, dass die Biker die Hälfte der Strecke die Räder an nicht fahrbaren Stellen tragen mussten.

Nach dem dritten Wandertag wurden wir für den Aufstieg belohnt – wir bekamen im Dörfchen Lho erstmals die Spitze des über 8.100 Meter hohen Mount Manaslu zu sehen. Der Mount Manaslu ist der achthöchste Berg der Erde und sein weißer Gipfel stand im großen Kontrast zum tiefblauen Himmel. Übersetzt bedeutet Manaslu Gott der Berge. Mittlerweile befanden wir uns auch wieder auf über 3.000 Meter Höhe, aber zum Glück war es bei weitem nicht so kalt wie im Tsum Valley, da es hier kein starker kalter Wind wehte.

Es ging weiter nach Samagaun auf über 3.500 Meter Höhe, wo wir einen Akklimatisationstag einlegten, zum ersten mal nach zwei Wochen verbrachten wir zwei Nächte nacheinander im selben Zimmer. Wir stiegen an diesem „Rasttag“ auf 4.100 Meter auf, damit sich unser Körper an die Höhe gewöhnen konnte und wir in den Folgetagen keine Kopfschmerzen oder andere Anzeichen der Höhenkrankheit bekommen. Wir wanderten vorbei an einem türkisfarbenen See und näherten uns einem Gletscher, der vom Schnee des Mount Manaslu gespeist wurde. Die Aussicht von hier oben war phänomenal. Wir wurden in der Höhe immer langsamer und jede Bewegung schien uns extrem anstrengend – wir fühlten uns ingesamt aber recht gut und stiegen zum Glück ohne Kopfschmerzen wieder ab nach Samagaun. Die Generalprobe für die Überquerung des Larke Passes war somit geglückt!

Planmäßig konnten wir in den nächsten zwei Tagen weiter bergauf steigen. Auf dem Weg nach oben haben wir in nur ca. 50 Meter Entfernung eine große Herde Blue Sheeps (siehe Fotos) an einem Berghang bei der Mittagsrast beobachten können. Wir haben uns daneben gesetzt und die Aussicht genossen, die Tiere haben uns bemerkt und zunächst im Auge behalten – wir schienen der Herde vermutlich jedoch nicht ganz geheuer und so haben sie langsam Stück für Stück den Rückzug angetreten und verschwanden in der Weite der Berge. Kurze Zeit später bekamen wir einen Adler wir zu Gesicht, der sich neben uns im Wind gleiten ließ.

Unser nächstes und wichtigstes Ziel Dharmasala war der Ausgangspunkt für die Überschreitung des Larke Passes. Die Übernachtungsmöglichkeiten in Dharmasala liegt über 4.400 Meter hoch, wir waren auf dieser Höhe umgeben von weißen Gipfeln. Bisher waren wir in Unterkünften aus Stein oder Holz untergebracht, die Lodge oder Teehaus genannt werden. Vor dem Pass fanden wir Container vor, die eher an ein Flüchtlingslager erinnerten. Der Besitzer war unglaublich stolz, die Unterkünfte sind erst ein Jahr alt und zuvor gab es nur Zelte. Jeder Container hatte vier Schlafplätze, die der Reihe nach vergeben wurden. Wir teilten uns ein Bettenlager mit Vater und Sohn aus Berlin.

Am nächsten Morgen mussten wir bereits um 3:30 Uhr aufstehen, da wir uns um 4 Uhr mit unseren Stirnlampen auf dem Kopf auf den Weg machen wollten. Unser Guide Hem sagte, dass wir früh über den Pass müssen, da schon am Vormittag ein eiskalter Wind zu wehen beginnt. Nach dem Start zu nächtlicher Stunde ging es zunächst fast zwei Stunden in der Dunkelheit aufwärts. Wir haben alles angezogen, was wir an warmer Kleidung dabei hatten – nach dem Prinzip „Zwiebel“.

Die Berge wurden zum Sonnenaufgang gegen 6 Uhr in ein phantastisches Licht getaucht und es setzte tatsächlich ziemlich bald der angekündigte kalte Wind ein, so dass sich auf Nikos Rucksack und Jacke sogar Raureif bildete und der Schlauch unserer Trinkblase einfror. In unserer dicken Kleidung kamen wir uns vor wie Polarforscher. Wir kämpften uns langsam Schritt für Schritt weiter durch die eiskalte Mondlandschaft und erreichten kurz vor 8 Uhr morgens den über 5.100 Meter hoch gelegenen Larke Pass. Geschafft! Glücklich fielen wir uns um den Hals und machten das obligatorische Foto am höchsten Punkt unserer Tour.

Direkt nach dem Pass ging es den Berg wieder runter. Der Weg, welcher nicht immer leicht zu finden war, führte 1.500 Höhenmeter durch Geröll abwärts. Nach der kurzen Nacht und der Anstrengung in der Höhe erwiesen sich dieser Abstieg, bei dem hohe Konzentration gefordert war, als weitere Herausforderung. Nach 3 h konnten wir für ein warmes Getränk und ein zweites Frühstück in einem Teehaus am Rande des Wanderweges einkehren.

In den nächsten Tagen ging es dann durch die verschiedenen Klimazonen und märchenhafte moosbewachsene Wälder weiter abwärts bis nach Dharapani, 1.800 Meter hoch gelegen. In diesem Dorf haben wir nach über 18 Tagen erstmals wieder Motorräder und Jeeps gesehen. Nach einer letzten Übernachtung in den Bergen ging es am nächsten Morgen zunächst offroad mit einem der Jeeps und danach erneut mit einem klapprigen Bus zurück nach Kathmandu.

Insgesamt sind wir in 18 Tagen 229 km gewandert, es ging 9.450 Höhenmeter bergauf und 8.080 Höhenmeter bergab.

Markus Verfasst von:

4 Kommentare

  1. Kerstin
    10. November 2018
    Antworten

    Danke fürs teilhaben lassen dieser spannenden Reise und den wahnsinnigen Eindrücken ?

    • Niko
      11. November 2018
      Antworten

      Danke dir ?? schön, dass du mitkommst

  2. Tobias
    16. November 2018
    Antworten

    So cool eure Bilder und Texte. Hört sich an wie in einer anderen Welt. Ich freue mich schon auf eure Berichte aus Thailand. Passt auf euch auf und Liebe Grüße.

    • Markus
      17. November 2018
      Antworten

      Vielen Dank und liebe Grüße von uns von der Insel Koh Samui, wo wir gerade angekommen sind. Bevor unsere Berichte aus Thailand kommen, hier erst nochmal was aus Varanasi in Indien.

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