Das Künstler Hostal

Nach dem Tag am Lago Rapel hatten wir knapp über 150 Kilometer vor uns. Dabei streiften wir den Süden Santiagos. Auf den Straßen wurde sehr voll und wir brauchten mehr als drei Stunden für die Strecke. Für die letzten zwei Nächte checkten wir in der kleinen Stadt San Jose de Maipo in ein Hostal ein, da wir dort besser unsere Rucksäcke für den Rückflug organisieren können als auf einem Campingplatz. Das Hostal befand sich im Haus der in Chile sehr bekannten Künstlerfamilie Barrios. In deren Reihen gab es Schriftsteller, Maler und Musiker. Heute lebt der über 70 Jahre alte Nachfahre Juan Pablo hier, auch er ist Schriftsteller. Er betreibt zusammen mit Isa das Hostal. Während der Diktatur Pinochets lebte er 16 Jahre im Exil in Deutschland in Hamburg und spricht sehr gut deutsch. Sein Wohnzimmer ist ein kleines Museum mit vielen Zeichnungen und Gemälden seiner Verwandten und er erzählte uns viele interessante Dinge über die Geschichte seiner Familie.

Außer uns übernachteten im Hostal noch Julian aus Bonn und Alex aus Südtirol, die beide Mediziner sind und diesen Tag dem Wein fröhnten. Nach unserer Ankunft packten wir alle unsere Sachen aus und sortierten sie durch, damit es in unsere Rücksacke passt. Abends liefen wir noch eine Runde durch das Dorf. Als wir zurückkamen, saßen die beiden Jungs mit Isa bei der xten Flasche Wein immer noch in Innenhof, aber wir gingen bald schlafen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir am nächsten Tag dann taleinwärts in die Berge Richtung des Gletschers El Morado. Am Eingang des Wanderweges zahlten wir wie in Chile üblich den Eintritt und begaben uns auf den sechs Kilometer langen Wanderweg, der durch eine trockene aber sehr schöne Landschaft immer weiter bergauf führte. Oben ist ein kleiner See, an dem wir eine Rast einlegten, bevor wir wieder zurück gingen und zum Hostal fuhren.

An unserem letzten Abend wollten wir essen gehen, aber das empfohlene und auch alle anderen Restaurants waren an diesem Dienstagabend leider geschlossen. Unter der Woche ist im Ort nicht viel los. Voll wird es, wenn am Wochenende die Massen aus dem 50 Kilometer entfernten Santiago kommen. Als wir die Suche schon fast aufgegeben hatten, trafen wir Juan Pablo und baten ihn um Rat. Wir gingen zusammen in ein kleines gutes Restaurant nicht weit entfernt und luden ihn spontan zum Essen ein. Es war wirklich sehr interessant, sich mit ihm zu unterhalten. Nach diesem schönen Abend gingen wir gemeinsam zurück zum Hostal. Niko und ich tranken noch ein Glas Wein, bevor wir schlafen gingen.

Am nächsten Morgen absolvierten wir zuerst die anstehende 19 Kilometer Laufrunde. Nach dem späten Frühstück hatten wir noch Zeit, am Blog zu arbeiten, bevor wir uns gegen 14 Uhr auf den Weg zum Flughafen machten. Unser Flug sollte ursprünglich gegen 22 Uhr starten. Wir erhielten aber leider die Nachricht, dass er mehrere Stunden Verspätung haben werde und erst gegen 2 Uhr morgens abheben soll. Super, dadurch verpassen wir unsere Anschlussflüge…

Am Flughafen gaben wir erstmal unseren Mietwagen ab. Danch begaben wir uns zur Info und wurden wegen der Flugverspätung in ein anderes Büro verwiesen. Dort teilte man uns mit, dass es einen früheren Flug nach Madrid gäbe, so dass wir von dort den ursprünglichen Flug nach Valencia noch bekommen werden. Wir sollten uns deswegen später am Checkin Schalter melden, da sie zur Zeit nicht wüßten, ob Plätze verfügbar wären. Wir hatten also noch ein paar Stunden totzuschlagen, was wir bei einem Bier taten. Gegen 19 Uhr reihten wir uns in die unglaubliche lange und langsame Schlange am Checkin Schalter ein und um 22 Uhr hatten wir tatsächlich neue Bordkarten in der Hand. Es ging um 00:45 Uhr nach Madrid und von dort um 20:30 weiter nach Valencia. Damit sollten wir jetzt sogar 2,5 Stunden früher als geplant landen. Läuft doch, Valencia wir kommen!

Markus Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Kai
    12. Februar 2020

    Liebe Niko, lieber Markus,

    vielen Dank für die vielen super Fotos und unterhaltsamen Bericht!
    Sie haben mir so manche Kaffeepause versüßt.
    Liebe Grüße aus dem windigen Berlin,

    Kai

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